Zentrale Befunde
„Aktuelle gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen in Deutschland verdeutlichen
die angespannte gesellschaftliche Diskurslage“, sagt midi-Studienleiter Daniel Hörsch. So nehmen 82 Prozent der Befragten eine Spaltung der Gesellschaft wahr und 61 Prozent befürworten das politische System. 59 Prozent gehen Konflikten aus dem Weg und 36 Prozent haben bereits unsachliche und respektlose Diskussionen erlebt. 64 Prozent wünschen sich Verständigung und für 32 Prozent spielt Religiosität eine Rolle. Während 78 Prozent mit ihrem persönlichen Leben zufrieden sind, machen sich 85 Prozent Sorgen um die aktuelle Gesellschaft und 93 Prozent glauben an eine schlechtere Zukunft für die nächste Generation.
Religionsbezogene Charakteristika
Mehr Evangelische Christen nehmen eine Spaltung der Gesellschaft wahr (86 Prozent) als
katholische (80 Prozent) oder Konfessionslose (82 Prozent). Mitglieder einer nichtchristlichen Religionsgemeinschaft teilen diese Ansicht in geringerem Maße (78 Prozent). Allgemein mit der Demokratie zufrieden sind die evangelischen und katholischen Christen (jeweils 66 Prozent).
Deutlich unzufriedener mit der Demokratie als System sind die Bundesbürger, die konfessionslos sind oder einer anderen nichtchristlichen Religionsgemeinschaft angehören (41 bzw. 47 Prozent Zufriedenheit).
Drohender Verlust der Meinungsfreiheit
Die Meinungsfreiheit wird von vielen als eingeschränkt wahrgenommen. Schwierigkeiten, sich offen zu äußern, ergeben sich aus der empfundenen Respektlosigkeit in Diskussionen und dem Fehlen eines geschützten Raumes für kontroverse Meinungen. So werden polarisierende Meinungen oft nur im engen sozialen Umfeld diskutiert und in der Öffentlichkeit vermieden. Die Bürger wünschen sich eine neutrale und unvoreingenommene Moderation für öffentliche Meinungsäußerungen. Professionell moderierte Orte der Verständigung können daher helfen, emotionale Spannungen abzubauen und Brücken zwischen unterschiedlichen Meinungen zu bauen. Ohne geeignete Räume für einen konstruktiven Dialog droht eine weitere Polarisierung.
Rolle der Kirche
49 Prozent der Bürger sind nicht der Meinung, dass gläubige Menschen besser durch die Krise kommen. Die evangelische Kirche kommt im Vertrauensbarometer nur auf 27 Prozent. Noch schlechter schneiden die Bundesregierung (22 Prozent), die politischen Parteien insgesamt (15 Prozent) und die katholische Kirche (11 Prozent) ab. Die Studie zeigt, dass die Kirchen eine zentrale Rolle als zivilgesellschaftliche Orte der Verständigung spielen könnten. Ihr Potenzial wird jedoch durch die Wahrnehmung von Unsachlichkeit und Respektlosigkeit in öffentlichen Diskussionen geschwächt. Eine Chance für die Kirche liege darin, durch moderierte Plattformen unterschiedliche gesellschaftliche Narrative (Erzählungen) wieder aufeinandertreffen und aushandeln zu lassen, um gezielt gesellschaftlicher Polarisierung entgegenzuwirken.
Positive Beispiele
Im Sinne der Studie könnte man als positives Beispiel einer kirchlich moderierten Plattform eine Podiumsdiskussion mit örtlichen Bundestagsabgeordneten an einer christlichen Schule anführen, beispielsweise am 13. Januar am adventistischen Schulzentrum Marienhöhe (Darmstadt): www.marienhoehe.de/ueber-uns/news/podiumsdiskussion-zur-bundestagswahl/
Als positives Beispiel für einen Ort der Verständigung und Begegnung wäre die PRESENCE kulturlounge in Frankfurt am Main zu nennen. Sie sei ein besonderer Ort der Begegnung, an dem sich Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Weltanschauung treffen, in den Austausch treten und Kultur mit Leben füllten, heißt es in einer APD-Meldung vom 2. Januar über das 10-jährige Bestehen dieser Einrichtung. Der Austausch dort werde als echt, auf Augenhöhe, warmherzig und empathisch empfunden, und damit sogar als ein Zufluchtsort in dieser komplizierten Welt gesehen. Konkret kämen Menschen durch den Austausch über Musik, Filme, Literatur, Texte der Bibel, aber auch Kunstausstellungen, Ausflüge, Kochkurse, Reisen und vieles mehr miteinander in Kontakt. Website: http://presence-kulturlounge.de/
Über midi
Die evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung midi (Berlin) versteht sich als eine Zukunftswerkstatt, die frische Ideen mit Vernetzung und praktischer Hilfe verbindet. Die Arbeitsstelle forscht, berät, begleitet, vernetzt – und entwickelt Ideen für die Kirche und die Diakonie der Zukunft. Der Name midi steht für „missionarisch-diakonisch“. Die Arbeitsstelle wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Diakonie Deutschland und der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) geführt. Träger ist das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. Website: www.mi-di.de/
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