So ignoriere die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eingesetzte Kommission nicht nur die entscheidende Rolle niedergelassener Arztpraxen für eine bürgernahe, effiziente und patientenzentrierte Versorgung. Ihre Vorschläge widersprächen zugleich den Versorgungsrealitäten.
Pinkowski verweist auf die essenzielle Bedeutung der ambulanten Versorgung in Deutschland: „97 % aller Behandlungen finden in Arztpraxen statt. Die Praxen stemmen heute rund 40 % mehr Fälle als noch vor 20 Jahren – und das bei deutlich geringeren Kostensteigerungen als in den Kliniken.“ Statt die stationär tätigen Ärztinnen und Ärzten mit neuen Aufgaben zu belasten, für die sie gar keine Valenzen haben, sollten vielmehr die Praxen gefördert und die sinnvolle Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung erleichtert werden.
Pinkowski führt die Empfehlungen der Regierungskommission, deren Auftrag das Thema Krankenhausversorgung war, u.a. auf deren Zusammensetzung zurück. Dem Auftrag entsprechend sind in der siebzehnköpfigen Kommission keine Vertragsärzte vertreten. „Das führt zu einer realitätsfernen Debatte über eine angebliche ‚doppelte Facharztschiene‘ und untergräbt die Bedeutung der niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzte“, kritisiert Pinkowski.
Auch würden bereits bestehende, erfolgreiche Kooperationsmodelle zwischen niedergelassenen Praxen und Krankenhäusern schlichtweg ignoriert: „Anstatt diese weiterzuentwickeln, setzt die Kommission auf eine vollständige Umstrukturierung mit ungewissem Ausgang. Genauso unausgewogen sind die Vorschläge der Kommission für die Notfallversorgung, weil die Kenntnis des ambulanten Bereichs fehlt.“
Angesichts der Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen fordert Pinkowski dagegen eine gezielte Stärkung der ambulanten Versorgung: „Die wirtschaftlich unabhängige fachärztliche Tätigkeit ist ein zentraler Baustein der medizinischen Versorgung in Deutschland. Ihre Abschaffung würde nicht nur das Arzt-Patienten-Verhältnis grundlegend verändern, sondern auch die Attraktivität der Niederlassung für junge Ärztinnen und Ärzte massiv beeinträchtigen.“
Die Landesärztekammer Hessen fordert die Bundesregierung auf, die Expertise der haus- und fachärztlichen Praxen in den Reformprozess einzubeziehen, um eine nachhaltige und zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
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